Die Thermalbäder Grutas de Tolantongo werden den meisten Lesern kein Begriff sein. Kein Wunder, denn in den namhaften Reiseführern sucht man sie vergeblich. Zufällig habe ich einmal auf Instagram Bilder von diesem magischen Ort entdeckt und mir ihn gedanklich auf meine To-Do-Liste gesetzt. Auf unserer Panamericana-Ergänzung nach Veracruz lässt er sich gut einbauen. Doch der Besuch ist mit viel Adrenalin, Schweiß und Nervenkitzel verbunden. Aber seht am besten selbst:
- Schon seit einiger Zeit stehen die Grutas de Tolantongo auf meiner Wunschliste. Die Panamericana-Ergänzung Richtung Veracruz macht es möglich, diese Gegend einmal anzusehen. Normalerweise kommen wir hier nicht vorbei. Die Thermalbäder liegen versteckt in einem Canyon, um dorthin zu gelangen, muss man in relativ steilen Serpentinen auf wenigen Kilometern 600 Höhenmeter überwinden.
- Bevor man hinab fährt, gibt es oben eine Station, an der Fahrzeuge und Insassen desinfiziert werden. Es raucht aus meinem Exploryx-Mobil wie nach einem Brand, aber nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei.
- Die Brüder und noch ein weiteres Paar kommen mir entgegen. Sie waren bereits auf dem Weg nach unten. Durch den Regen in den letzten Tagen hat sich die Erdpiste in Schmierseife verwandelt. Der Großteil der Strecke ist betoniert, nur für die letzten zwei Kilometer hat es nicht mehr gereicht. Das ist übrigens typisch. Im Grunde braucht man in 90 Prozent der Fälle kein Allrad. Für 8 Prozent wäre er wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Aber bei 2 Prozent, da bräuchte man ihn wirklich!
- Die meisten Camper von uns sind keine 4×4, doch sie können oft mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Heute sieht der Fiat richtig nach Abenteuer aus, oder findet ihr nicht?
- Die Schlammpiste hat ihre Spuren hinterlassen.
- Ich bin das letzte Wohnmobil, alle anderen sind bereits unten und haben es geschafft. Ich nehme Kontakt auf. Halb so wild meinen sie, aber die Einschätzungen sind sehr subjektiv, da sie stark vom eigenen Fahrzeug abhängen. Ich habe nicht viel Erfahrung unter solchen extremen Bedingungen zu fahren und möchte keinen Unfall oder Schaden riskieren.
- Ich zögere lange. Auch Ruedi mit seinem kleinen Roten ist unschlüssig. Doch die Mehrheit steht bereits unten und die müssen auch irgendwie wieder hoch. Ich möchte mir selbst einen Eindruck verschaffen und will zu meinen Teilnehmern. Die Neugierde siegt und so treten wir die Fahrt nach unten an. Zweimal bekomme ich es mit der Angst zu tun, als ich bremse und mein schwerer Iveco einfach unbeeindruckt weiterrutscht. Doch die Piste ist breit genug und der Abgrund weit genug weg.
- Geschafft. Unten sind wir. Ob wir jemals wieder hochkommen? Wir übernachten mit den Campern direkt am türkisfarbenen Fluss.
- Das Wasser ist etwa 35 Grad warm und lädt zum Baden ein.
- Am nächsten Morgen beratschlagen wir. So, wie die Piste aktuell aussieht, schaffen es die meisten Camper nicht nach oben. Mit Vorderradantrieb (und dem Gewicht hinten) schon zweimal nicht. Abklärungen ergeben, dass sie keine Traktoren mit Stange zum Schleppen hier haben. Wenn man Hilfe holen muss, würde die von weither anreisen müssen. Auch viele Mexikaner strandeten diese Nacht und verbrachten unfreiwillig noch eine Nacht hier unten im Canyon.
- Mit einigen aus der Gruppe laufe ich einen alternativen Weg ab, der entpuppt sich als noch schlimmer und definitiv nicht machbar für uns. Wir begegnen einem SUV, der umkehren muss. Wie lange werden wir hier unten warten müssen? So kurz vor der Verschiffung drängt die Zeit und wir haben keinen Puffer mehr. Was, wenn wir es zu früh riskieren und jemand den Hang runterrutscht?
- Doch das Wetter ist auf unserer Seite. Die Sonne wird die Piste trocknen und festigen.
- Zudem haben die Betreiber der Anlage noch Maschinen besorgt um die obere Schicht abzutragen und Sand und Kalk aufzuschütten. Ihr seht, wieder einmal ist nicht nur das Wetter, sondern auch das Glück ganz allgemein auf unserer Seite!
- So verbringen wir wie geplant zwei Nächte am Fluss und schauen uns die weitläufige Anlage an, die von mehreren einheimischen Familien bewirtschaftet wird.
- Es hat mehrere Hotels und viele Spazierwege Wege und unzählige Thermalbecken.
- Ich kannte bis dato nur Bilder von diesen Becken am Hang.
- Sie sind zwar künstlich, wirken aber durch die Kalkablagerungen sehr natürlich.
- Erst mit der Drohne erkennt man, wie groß das Areal ist.
- Und die Aussicht ist fantastisch!
- Tagsüber sind die Becken stark besucht. In der ganzen Anlage tummeln sich mehrere hundert Menschen, das wirkt auf uns eher abschreckend. Zusätzlich hat es noch eine Grotte und Tunnel mit viel Wasser und Dampf, Gift für die Kamera, daher gibt es keine Bilder. Ihr müsst einfach selbst mal hin!
- Um den Menschenmassen zu entgehen, mache ich mich am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang nochmal auf den Weg und siehe da, nun habe ich die Becken fast für mich allein!
- So ist das gleich wesentlich entspannter.
- Herrlich den Tag so zu beginnen.
- Ich sinniere etwas und hänge meinen Gedanken nach. So vieles hat sich verändert auf der Welt. Auch die Menschen selbst. So vieles ist ungewiss, nichts planbar. Am liebsten würde ich noch eine extra Extra-Runde drehen. In Mexiko fühlt sich das Leben aktuell sehr normal und gut an. Wenn man dann noch liebe Menschen um sich hat, ist das perfekt!
- Doch der Zeitplan und die Verschiffung ab Veracruz rufen. Alle schaffen die Fahrt nach oben problemlos. Die Piste ist hart und trocken, als ob sie nie anders gewesen wäre. Puh!! Wieder einmal haben unsere PanAm-Schutzengel ganze Arbeit geleistet.
- Ein kleiner See unterwegs.
- Kurzer Stopp in Huasco de Ocampo.
- Das Dorf war das erste „pueblo mágico“ Mexikos.
- Wir übernachten die letzte Nacht im Camper, bevor es am nächsten Tag ins Hotel geht.
- Hinter dem Stausee befinden sich Basaltformationen, die mich an Island erinnern.
- Auch dort hat es einen Wasserfall.
- Der kurze Abstecher am vorletzten Fahrtag lohnt sich.
- Ich bin überhaupt kein Held, wenn es um Abschiede geht. In letzter Zeit häufen sich die letzten Ereignisse in konzentrierter Form. Heute nehmen wir Abschied von drei Dingen: wir halten das letzte Briefing, entzünden das letzte Lagerfeuer und verbringen die letzte Nacht im Camper. Zumindest diejenigen, die ab Veracruz ihre Wohnmobile verschiffen.
- Die Stimmung ist speziell, alle sind irgendwie nostalgisch und emotional berührt. Es gibt den letzten Gin Tonic, was uns nicht davon abhalten wird, in Veracruz doch nochmal einen letzten zu trinken! Morgen also ist es wirklich der letzte Fahrtag in der Gruppe. Von den letzten Tagen in Veracruz berichte ich euch im 91. und dann wirklich allerletzten Bericht der Panamericana 2019-21! Bis zum nächsten letzten Mal!